Sex

Das macht Sexualität mit unserem Gehirn

Warum die schönste Nebensache eigentlich Kopfsache ist

Unsere Sexualität ist einzigartig auf diesem Planeten. Keine andere Spezies liebt das Liebesspiel zum puren Vergnügen. Alle anderen haben sind dabei ausschließlich auf Fortpflanzung programmiert. Das Bedürfnis nach körperlicher Vereinigung, Nähe und Leidenschaft steckt in unseren Genen. Vieles von dem, was noch heute in unserem Gehirn und unseren Blutbahnen so vor sich geht, wenn wir die Aussicht auf Sex haben, funktioniert immer noch auf Steinzeit-Niveau. Allerdings hat sich unser Verständnis für die körperliche Liebe in den letzten 50 Jahren drastisch gewandelt. Die sexuelle Revolution, die Emanzipation und nicht zuletzt die Erfindung des Internet haben unsere Sicht auf die schönste Nebensache der Welt komplett verändert. Wir wissen viel über unser Sexualleben, und doch immer noch so wenig. Dass Sex auch Kopfsache sein kann, hätten aber wohl die wenigsten von uns vermutet. Was dabei wirklich in unserem Gehirn so vor sich geht, und wie sich ein aktives Sexleben auf unser Leben auswirkt, zeigen wir dir hier:

1. Wir schlafen besser 

Nach all der wundervollen körperlichen Anstrengung ist es kein Wunder, dass wir uns angenehm müde und erschöpft fühlen. Zwar dauert durchschnittlicher Sex nur circa 7 Minuten, in diesen allerdings sind wir körperlich und emotional sehr gefordert. Erschwerend hinzu kommen die hormonellen Veränderungen, die Sex in uns bewirkt. Traditioneller, klassischer Sex in einem Bett hat dann den großen Vorteil, dass wir uns nicht mehr weit bewegen müssen, bevor wir eng umschlungen in Morpheus‘ Arme sinken dürfen. Der rasche Anstieg unserer Herzfrequenz und die körperliche Anspannung auf allen Ebenen führen dazu, dass das Liebesspiel uns automatisch schläfrig macht. Außerdem gehen Forscherinnen davon aus, dass unsere Steinzeit-Biologie hier auch ein Wörtchen mitredet. Sie weiß, dass der Tag, nachdem wir Sex hatten, nicht mehr besser werden wird. Das Klassenziel – unser Beitrag zum Fortbestand der Art – wurde erreicht, also kann man sich ruhig den Schlaf der Gerechten gönnen. 

2. Sex kann auch deprimierend sein

Nein, damit meinen wir nicht unsensible oder gänzlich unwissende Liebhaber, die leider den Weg ins gelobte Land nicht finden. Die Rede ist von der sogenannten „post-koitalen Dysphorie“. Diese kann sich auch bemerkbar machen, wenn der Akt an sich gut oder zumindest befriedigend war. Auf das Hoch eines fantastischen Orgasmus kann durchaus das Tief einer gefühlten Depression folgen. Meist geht diese jedoch einher mit mittelprächtigen Erfahrungen zwischen den Bettlaken. Sex kann – vor allem dann, wenn die Beteiligten sich noch nicht lange oder gut kennen – ein peinliches, chaotisches, merkwürdiges, unangenehmes und verwirrendes Erlebnis sein. Sich im Anschluss daran schlecht zu fühlen, kommt leider häufig vor. Post-koitale Dysphorie kann sogar zu Gereiztheit, Aggressionen oder Angstzuständen führen. Die Lösung lautet hier: Kommunikation. Nicht alles Ungesagte kann unsere Körpersprache für uns übersetzen.

3. Tod durch Höhepunkt 

Der Orgasmus hat nur im deutschen Sprachgebrauch einen so unpoetischen Namen. Im Französischen kennt man den Höhepunkt des Liebesaktes als „Petit Mort“, „kleiner Tod“. Verdient ist diese Bezeichnung allemal. Je nachdem, wie intensiv die Lustgefühle empfunden werden, kann sich unser Gehirn vorübergehend tatsächlich verabschieden. Wir erleben kann kurze Momente, die einer Ohnmacht nicht ganz unähnlich sind. Hellwach hingegen ist in diesen Minuten die Region vom Bauchnabel abwärts. Je weniger Verstand sich also in das Liebesspiel einmischt, desto intensiver die Gefühle. Wer nun zu dem Umkehrschluss neigt, dass das Benebeln mit Alkohol beispielsweise zu einem ähnlichen Genuss in den unteren Regionen führt, irrt leider. Er sorgt zwar dafür, dass unser Gehirn sich aus der Gesamtgleichung ausklinkt. Leider nimmt es unser Lustzentrum gleich mit. Ein Teil von uns wähnt sich dann zwar noch voller Leidenschaft und zu allem bereit. Diesen berauschten Bildern in unserem Kopf folgen alkoholbedingt jedoch keine Taten mehr. Zum Sterben schön ist Sex ausschließlich, wenn wir bei vollem Bewusstsein sind. Wie sonst würden wir merken, wenn wir es verlieren?

4. Oxytocin, Dopamin und Serotonin werden freigesetzt

In seiner Eigenschaft als Lustbringer Nummer 1 ist Sex einer der verlässlichsten Lieferanten für die Hormone Oxytocin, Dopamin und Serotonin. Allein schon die Aussicht darauf, eventuell auf Amors Spuren wandeln zu dürfen, versetzt uns und unseren Hormonhaushalt in Hochstimmung. Serotonin hat nachhaltig positiven Einfluss auf unser Weltbild und unser Körpergefühl. Es versetzt uns noch Stunden später in Hochstimmung, lässt uns besser schlafen und sorgt dafür, dass wir am nächsten Tag noch glücklich sind. Dopamin trägt seinen Beinamen „Lusthormon“ nicht umsonst. Es wird ausgeschüttet, wenn wir voll bei der Sache sind. Dafür reicht übrigens irgendeine Sache, die uns fesselt und Vergnügen bereitet. Es muss nicht unbedingt Sex sein. Das Tückische an Dopamin ist allerdings, dass unser Körper nicht genug davon bekommen kann. Wo seine Dämme einmal gebrochen sind, wollen wir immer mehr davon. Last but not least spielt natürlich auch das Kuschel- oder Bindungshormon Oxytocin beim erotischen Nahkampf eine gewichtige Rolle. Es sorgt dafür, dass wir nach einer romantischen Nacht mehr für unsere Sexualpartner empfinden, als die bloße Lust auf eine Wiederholung. Es signalisiert unserem Gehirn, dass wir dieser Beziehung, die zu diesem Zeitpunkt vielleicht noch gar keine ist, unbedingt eine Chance geben sollten. Die Ausschüttung von Oxytocin beginnt Studien zufolge übrigens schon nach 10 bis 15 Minuten Körperkontakt. Das erklärt, warum überdurchschnittlich viele Patientinnen sich in Ärzte, Physiotherapeuten, Krankenschwestern, Pfleger und Masseure verlieben.

5. Dein Adrenalin-Pegel steigt

Mit drei Hormonen im Schlepptau ist es bei der schönsten Nebensache der Welt noch lange nicht getan. Sogar das berüchtigte Adrenalin spielt eine Runde mit bei diesem interaktiven Gesellschaftsspiel. Seinen Kick verspüren wir beim ersten Kuss, beim ersten Hautkontakt, bei der Aussicht darauf, dass sich tatsächlich die Gelegenheit für Sex ergeben könnte und natürlich beim Höhepunkt. Es lässt unseren Puls rasen und unsere Herzfrequenz ganz ordentlich durch die Bettdecke gehen.

6. Sex aktiviert unsere Libido

Sie ist vielen Menschen nach wie vor ein Rätsel und als Gesprächsthema leider immer noch ein gesellschaftliches Tabu. Unsere Libido, also unser Geschlechtstrieb, der uns ein stärkeres oder schwächeres Bedürfnis nach Erotik suggeriert, ist vielen Mythen und Vorurteilen ausgesetzt. Kaum ein Mensch lernt in der Schule etwas über sie oder wird irgendwann ordentlich zu diesem Thema aufgeklärt. Stattdessen wähnen wir uns als sonderbar, wenn wir kaum Interesse und Bedarf an Sex haben, oder – im Gegenteil – ständig daran denken und alle Chancen ergreifen müssen, die sich uns bieten. Viele Menschen könnten problemlos ohne Sex leben, wieder andere halten kaum einen Tag durch ohne Körperkontakt mit Happy End. Erstaunlicherweise können wir unsere Libido trainieren, indem wir sie mit sexuellen Erlebnissen füttern. Je mehr Sex unser Körper also genießen darf, desto mehr verstärken wir unseren Wunsch danach. Wenn es um Sex geht, kommt der Appetit eindeutig beim Essen.

Fazit: Unser Gehirn liebt mit

Vielleicht kennst du den launigen Sinnspruch, dass das Gehirn die wichtigste erogene Zone der Frauen ist? Nun, so wie es jüngsten Forschungen gemäß aussieht, gilt das für alle am Liebesspiel Beteiligten. Sehr vieles von dem, was im Bett endet, nimmt seinen Anfang in unserem Kopf. Potenzielle Partnerinnen müssen uns nicht nur optisch gefallen. Auch das, was sie sagen und wie sie sich verhalten, führt dazu, dass wir sie anziehend oder abstoßend finden. Die heißeste Libido kann erkalten, wenn unser Gegenüber absolut nichts zu bieten hat, was unser Gehirn sexy findet. 

https://www.insider.com/sex-is-good-for-the-body-and-brain-2018-9#12-it-helps-boost-memory-12